Wie alles begann…

Wie alles begann

Der Morgen begann schon nicht so einfach, die Kinder wollten nicht in den Kindergarten. Wie es meist so ist, fällt den kleinen Racker immer wieder etwas ein. Während ich auf der Uhr die Zeit schwinden sah, war ich mit den Gedanken bei meinen zur Zeit guten Arbeitsbeschaffer, einer frechen Diebesbande. In unserem Bereich hatte sich eine Diebesbande auf Beschaffungs-Tour gemacht. Jeden Tag wenn ich zur Arbeit kam, hieß es, kannst gleich losfahren. Dieser Satz bedeutete für mich, einmal die bereitgestellten vier Taschen und Koffer zu schnappen. Unsere kleine Dienststelle hatte für den Kriminaltechniker noch kein eigenes Auto, nur gut das seit der letzten Umwandlung der Polizeistrukturen (wir nannten es Reform oder auch Karussell) eine Einsicht kam und wir besser ausgerüstet werden sollten. Aber wie das in unserem Lande so ist, muss erst alles genau genormt werden, dann besprochen, der beste Anbieter gesucht werden und dann kann es nach Jahren endlich mit der Auslieferung losgehen. In der Vergangenheit haben bei der Besprechung dann die Leute alles festgelegt, die eigentlich keine Kenntnis aus der Praxis hatten. Diesmal scheint es aber anders zu werden, wir wurden gefragt, es wurde getestet, hurra der Fortschritt kommt auch zu uns. Na ja aber ich will nicht ganz soweit abschweifen. Die Kriminaltechniker mit längerer Erfahrung (auch die Alten genannt) hatten sich ihr eigenes Werkzeug schon beschafft und zusammen gestellt. Bei mir waren es im Laufe der Zeit eben vier Koffer und Taschen geworden. Die nächste Aufgabe nach dem Greifen der Taschen war die Aufgabe den Sachbereich Ermittlungen zu überzeugen, man will mit dem Auto zum Tatort fahren. Die vier Taschen waren dabei meist eine überzeugende Hilfe in der Argumentation. Also dann ging es los auf den Hof und das Auto beladen, neben den vier Koffer und Taschen nochmals die persönliche Ausrüstung geprüft, Fototechnik check, biologischer Koffer, Werkzeug check, Daktykoffer check, Trinkwasser check, Stullen check, Telefon check, es kann losgehen. Die Ermittlungsbeamten kamen meist später dazu und hatten eigene Ideen und Aufgaben, also musste ich mit einem anderen Auto fahren. Es war auch sehr hilfreich, da ich oft gleich zum nächsten Einsatz, deshalb Trinkwasser und Stullen an Bord, geschickt wurde. So nun waren die beiden endlich fertig zum Abmarsch in den Kindergarten und Kinderkrippe. Da ich es bis zur Dienststelle nicht so weit hatte, nahm ich meist das Fahrrad. Bei diesen vielen Einsätzen, die meist ganz schön an die Substanz gehen, sollte die sportliche Betätigung auch Beachtung finden. Die Kinder schnell hinten und vorn verstaut, laufen war von der Zeit nicht mehr drin und dann im Schnelldurchlauf zur ersten Station, dem Kindergarten. Die Kinder schnell abgegeben und mit der Erzieherin paar Worte gewechselt. Ja ich hole sie heute Nachmittag ab, so gegen 17.00 Uhr müsste es klappen. Die arme freundliche Betreuerin kannte mich schon als Rabenvater, der seine Kinder meist sehr spät abholt. In einem Gespräch mit ihr hatte ich ihr mal die Hintergründe genannt, natürlich nicht ohne Beachtung meiner beruflichen Verschwiegenheit. Seit dieser Zeit hatte sie mehr Verständnis für mich und dem späten Erscheinen bekommen. Meine andere Hälfte (ich glaube es heißt Ehefrau) zog es vor, am Abend oder besser nach der Arbeit sich noch zu qualifizieren. Ich hatte ihr leichtfertigerweise am Anfang Verständnis zugesagt, leider kannte ich da die Ausmaße und die Arbeit mit der Diebesbande noch nicht. Es rächt sich eben, wenn »Mann« schnell mal was verspricht. Andererseits, freute ich mich natürlich, dass sie sich weiterbildet und dann ist das ganze ja auch zeitlich auf »nur« 5 Jahre begrenzt. Dann holte ich zum entscheidenden Endsport aus, war dann der erste Zieleinlauf. Es ist natürlich nicht gerade förderlich, in diesem abgekämpften Zustand mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen. Unser Leiter Kriminalpolizei konnte es nicht leiden, wenn man die Morgenlage verpasste, das stimmte ja auch. In der letzten Zeit war es aber so, dass ich schon vorher zum Einsatz musste. Ich war immer froh, wenn ich das nicht mitmachen musste. Hatte ich keinen Einsatz, so war doch reichlich Spurenmaterial liegen geblieben und wollte bearbeitet werden, es fehlte einfach die Zeit, die durch die Teilnahme an der Morgenlage verloren ging. Ich bekam immer ein schlechtes Gewissen, wenn etwas länger liegen bleiben musste. Wobei die Morgenlage hatte auch sein Gutes, hier wurden die letzten 24 Stunden vom diensthabenden Kriminalisten ausgewertet. Er hatte Rede und Antwort zu stehen, was im Bereich passiert war, welche Maßnahmen gelaufen sind, gab es Festnahmen und müssen Ermittlungsgruppen gebildet werden. Dazu kamen natürlich noch die Erkenntnisse von den anderen Sachbearbeitern, hatten sie gar Ideen zur Täterschaft oder Hinweise. Aus dieser Lage, sind wir schon oft alle gemeinsam auf eine Sache angesetzt worden und haben uns gefreut, dass nach wenigen Tagen oder Stunden der Erfolg da war. Wie sollte es heute auch anders sein, nicht von wegen einfach erst mal verschnaufen und ruhig die Arbeit beginnen. Wie sagt man bei uns immer so schön, wir sollen ausgeruht, gut genährt und ordentlich zum Dienst erscheinen. Nichts ist mit der Meinung vieler Leute, die Beamten ruhen sich nur aus und manchmal arbeiten sie auch. Vielleicht ist das der Neid, den andere Berufe auf unseren haben. Ich habe es oft erlebt, wenn andere hinter die Kulisse geschaut hatten, war auch die Meinung eine andere geworden und da waren sie froh über ihren so guten Job. Wie bekomme ich da immer zu hören, wenn ich mal neidvoll rede, »Augen auf bei der Berufswahl.«So war ich heute auch gleich auf dem Flur empfangen worden, ist ja schön, dass du kommst, kannst dich gleich beim Diensthabenden melden, es gibt Arbeit. In diesem Moment wird sich der Eine oder der Andere Fragen: »Wieso merkt man das erst immer am Morgen?« In den meisten Fällen kommen die Leute am Morgen zur Arbeit und da sehen sie was in der Firma passiert ist. Da gab es wieder paar unbekannte Mitarbeiter, die eine Nachtschicht gemacht hatten. Leider hinterlassen die immer solche eine Unordnung, oft gehen bei den auch die Türen in zwei und zu guter Letzt fehlt dann auch der Tresor und die Kaffeekasse. Das Letztere ist meist noch zu verschmerzen aber wenn der echte Panzerschrank von Franz Jäger aus der Wand gebrochen wurde, ist das schon nicht mehr so schön. Während diese Einsätze immer noch in dem Bereich vom Reparablen liegen, sind die Ereignisse mit der Schädigung von Leben und Gesundheit nicht mehr so angenehm. So dann werde ich mal mir meinen Einsatz holen.

 

Fortsetzung folgt

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